Salvia divinorum ist ein mehrjähriger Lippenblütler (Familie Lamiaceae) mit hohlen, vierkantigen Stängeln, großen grünen Blättern und weißen Blüten in violettblauen Kelchen. So beschreibt sie die US-Drogenbehörde DEA in ihrem Faktenblatt vom Dezember 2025, und so sah sie der Botaniker Aaron Reisfield bei seiner Feldarbeit in Mexiko. Im Deutschen heißt die Art Wahrsagesalbei, Zaubersalbei oder, sachlich falsch, Aztekensalbei.
Ein Salbei aus der Familie der Lippenblütler
Die Gattung Salvia umfasst Küchensalbei, Muskatellersalbei und viele Zierpflanzen. Innerhalb der Gattung gehört S. divinorum zur amerikanischen Untergattung Calosphace. Eine DNA-Studie von Jenks, Walker und Kim (2011) fand als nächsten bekannten Verwandten Salvia venulosa, eine seltene Art aus Kolumbien. Dieselbe Studie spricht gegen die ältere Vermutung, die Pflanze sei eine Kreuzung zweier Arten.
Den wissenschaftlichen Namen vergaben Carl Epling und Carlos Játiva im Jahr 1962. Divinorum ist ein lateinischer Genitiv Plural und bedeutet ungefähr "der Wahrsager". Der Name verweist auf den Gebrauch bei den Mazateken in Oaxaca, über den die Seite Herkunft mehr erzählt.
Stängel: vierkantig, hohl, oft liegend
Wie bei fast allen Lippenblütlern ist der Stängel im Querschnitt vierkantig, bei dieser Art zudem hohl. In der Sierra Mazateca fand Reisfield dichte Bestände mit Stängeln von über zwei Metern, einzelne blühende Triebe ragten bis drei Meter hoch (Reisfield 1993, Sida 15).
Die Stängel sind brüchig. Sie knicken, legen sich auf den Boden oder ins Wasser und schlagen an den Knoten Wurzeln. Reisfield beobachtete, dass alle lebenden Triebe aus älteren, inzwischen abgestorbenen Stängeln hervorgegangen waren. Die Pflanze wandert so am Bachufer entlang, ohne je Samen zu bilden. Warum das so ist, steht auf der Seite Samen und Stecklinge.
Blätter: groß, mit Harz auf der Unterseite
Die Blätter stehen paarweise einander gegenüber, jedes Paar um 90 Grad gegen das nächste gedreht. Diese kreuzgegenständige Stellung ist ein Merkmal der ganzen Familie. Ein voll entwickeltes Blatt, das Daniel Siebert untersuchte, war 16 Zentimeter lang und hatte eine Fläche von etwa 80 Quadratzentimetern (Siebert 2004, Annals of Botany).
Das Entscheidende sieht man nur unter dem Mikroskop. Siebert fand vier Typen von Pflanzenhaaren. Der Wirkstoff Salvinorin A sitzt in einem Harz, das sich in den sogenannten Drüsenschuppen (peltate Drüsenhaare) sammelt, genauer im Raum zwischen den Kopfzellen und der Kutikula, die sie umhüllt. Diese Drüsenschuppen kommen nur auf der Unterseite der Blätter vor, außerdem an Stängeln, Blütenstandsachsen, Tragblättern, Blütenstielen und Kelchen. Wo sie fehlen, fand Siebert auch keine der verwandten Diterpene.
| Merkmal | Messwert bei Siebert (2004) |
|---|---|
| Dichte der Drüsenschuppen | etwa 1.600 pro cm² Blattunterseite |
| Länge eines ausgewachsenen Blattes | 16 cm |
| Blattfläche | etwa 80 cm² |
| Drüsenschuppen pro Blatt | etwa 128.000 |
Auf der Blattoberseite gibt es diese Drüsen nicht.
Blüte: weiße Krone, violetter Kelch
Die Blüten erscheinen in lockeren Ähren. Die Krone ist rein weiß, Kelch und Blütenstiel sind violettblau. Dass in älteren Büchern von blauen Blüten die Rede ist, geht auf einen Irrtum zurück. Epling sah die Pflanzen in den Gärten der Universität von Kalifornien in Los Angeles nie blühen und beschrieb die Krone als blau. Albert Hofmann sprach von blauen Blüten "mit einer weißen Kuppel". Reisfield erklärt das so: Gemeint waren die blauen Kelche mit noch geschlossenen weißen Kronen. Getrocknet werden die weißen Kronen braun.
In der Natur blüht die Art selten und unregelmäßig, zwischen Oktober und Juni. Versuche mit Tageslänge deuten darauf hin, dass sie eine Kurztagpflanze ist. Reisfield fand Blüten fast nur dort, wo Sonne durch das Kronendach fällt und die Luft trotzdem feucht bleibt, etwa in breiten Schluchten.
Wer bestäubt die Blüte?
Nektarmenge und Form der Krone sprechen für Vögel. Reisfield maß meist 8 bis 16 Mikroliter Nektar pro Blüte, mit einem Zuckeranteil von 21 bis 23 Prozent, überwiegend Saccharose. Das passt zu Kolibriblumen. Die einzige Bestäubung, die er im Feld beobachtete, war tatsächlich der Besuch eines einzelnen Kolibris. Er hielt diese Besuche dennoch für Zufall, denn eine echte Anpassung zwischen Pflanze und Bestäuber sah er nicht.
Verwechslungen: nicht jeder Salbei ist Wahrsagesalbei
Im Gartenhandel heißen viele Pflanzen einfach "Salvia". Küchensalbei (Salvia officinalis) und Weißer Salbei (Salvia apiana) sind eigene Arten. Sie haben andere Blätter, andere Blüten und sind nicht als Quelle von Salvinorin A beschrieben. Getrocknete Blätter im Handel lassen sich ohne Labor kaum bestimmen. Für Kontrollen durch Behörden haben Kowalczuk und Kollegen (2014) deshalb ein Bestimmungsverfahren aus Blattanatomie und Chromatografie beschrieben.
Blätter aus dem Shop, nur in den Niederlanden
In Deutschland sind Pflanze und Pflanzenteile verboten, Einzelheiten auf der Seite Rechtslage. Wer sich in den Niederlanden aufhält, kann dort getrocknete Blätter kaufen. Avalon Magic Plants verkauft sie in Beuteln zu 6 Gramm. Bestelle sie nicht nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz.
Weiter: wie die Pflanze sich ohne Samen vermehrt, auf der Seite Samen und Stecklinge, und was in den Drüsenschuppen steckt, auf der Seite Salvinorin A.
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